by Christine Hubental
Jorge Cruz reiste im Jahr 2006 in das in Tamil Nadu (Südindien) gelegene Auroville. Dort lebte und arbeitete er drei Monate lang, recherchierte über Materialien, die vor Ort zum Zweck der Dekoration oder des religiösen Kultes genutzt werden. Hierbei stieß er auf eine große Vielfalt: von Stempeln über Gesichtsmalfarbe bis hin zu Tempelfarben sammelte er alles, was ihm begegnete.
Außerdem nahm er Kontakt mit einem indischen Künstler auf, Gobi. Dieser lebt in Auroville von seiner Malerei, die er an Touristen verkauft. Gobi baute alle Holzrahmen und bespannte sie mit Leinwand. Seine Rahmen stellen also die physikalische Grundlage Jorges Arbeiten dar.
Das Land Indien hat Jorge Cruz tief beeindruckt. Es machte ihm erlebbar, dass es nicht die eine Wahrheit, die eine richtige Handlungsmöglichkeit, die eine gute Religion, den einen richtigen Lebensweg, die eine richtige Hautfarbe, die eine richtige Kultur, die richtigen Werte gibt. Wer in Indien in Schwarz und Weiß unterscheiden möchte, ist zum Scheitern verdammt, wer sich dort in Ungeduld üben möchte, wird unglücklich, wer dort intolerant sein möchte, wird merken, dass er damit nicht weit kommt. In diesem Sinne stehen auch seine Beobachtungen über das Miteinander von Religionen, die dort so friedlich nebeneinander existieren. Was die Menschen alle gemein haben ist, dass sie religiös sind. Alle praktizieren ihre Religion aufrichtig. Doch ist dies kein Grund zur Trennung.
Die Arbeiten, die in Auroville entstanden sind, vereinen die lokalen Techniken der „alltäglichen, Malerei“ (also nicht etwa von Künstlern gemacht, sondern von ganz gewöhnlichen Menschen), die Jorge Cruz anzuwenden versuchte. Weiterhin nutzte er ausschließlich die lokalen Grundfarbstoffe und andere Materialien, die er in seiner Umgebung fand. Seine Arbeiten sind also eine Auseinandersetzung mit lokalen Materialien und Maltechniken. Für ihn sind sie Spiegel dieser toleranten Gesellschaft, der er in Südindien begegnete und die ihn schwer beeindruckt hat.
CH